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Stausee-Projekt

Visualisierung, wie die Staumauer dereinst aussehen soll. Der Seespiegel wäre noch höher (grüner Punkt rechts). Quelle: Christine Bürki

Gegen die Zerstörung der Trift

Während Jahrzehnten war die Grimsel Schauplatz von Auseinandersetzungen zwischen der Stromindustrie und den Umweltverbänden. Letztere wehrten sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Erhöhung der Staumauer am Grimselsees, die Zerstörung der Moorlandschaft „Sunnig Aar“ und des Gletschervorfeldes Lauteraar. Nun lancierten die Kraftwerke Oberhasli (KWO) die Idee, in der Trift einen neuen Stausee zu bauen, und forderten damit den Widerstand von Umweltschützern heraus. Erstmals seit dreissig Jahren würde in der Schweiz wieder ein grosses Gebirgstal unter Wasser gesetzt.

Die Trift, ein Seitenast des Gadmertals, ist eine nur wenig berührte Gebirgslandschaft. Das Gebiet umfasst wilde Bachläufe, Schluchten, Alpwiesen, schroffe Felsen, Wald, einen natürlichen See und ein frisches, dynamisches Gletschervorfeld. Nach Aussage der zuständigen kantonalen Fachstelle gehört das Triftwasser zu den wertvollsten und natürlichsten Fliessgewässern des Berner Oberlandes. Durch den Rückgang des Gletschers in den letzten zwei Jahrzehnten wurde in der oberen Trift ein Talkessel frei. Hier wollen die KWO einen Stausee mit einer über 100 Meter hohen Staumauer errichten. Die Mauerkrone würde 15 bis 40 Meter über der heutigen Hängebrücke liegen, die nach dem Abschmelzen des Eises für Wanderer eröffnet wurde. Neben dem Stausee gehören zum Projekt der Bau einer neuen Kraftwerkzentrale in der unteren Trift und eine neue Wasserfassung im Steinwasser unterhalb von Steingletscher. Mit einem Nutzvolumen von 85 Millionen Kubikmetern und einer Leistung von 80 Megawatt würde das neue Triftkraftwerk aber nur einen bescheidenen Beitrag an die heutige Stromproduktion in der Schweiz leisten: bloss zwei Promille.

Unmittelbar an die Trift angrenzend liegen mit den Berner Hochalpen und dem Rhonegletscher zwei wichtige Schutzgebiete, die schon vor Jahrzehnten in das BLN-Inventar des Bundes aufgenommen wurden. Der einzige Grund, warum das damals nicht mit der Trift geschah, ist wohl dem Umstand zu schulden, dass das stark vergletscherte Gebiet lange Zeit praktisch unzugänglich und eine Nutzung undenkbar war. Obwohl kein expliziter Schutzstatus besteht, finden der Grimselverein und die nationale Gewässerschutzorganisation Aqua Viva genügend triftige Gründe und Argumente gegen das landschaftszerstörerische Projekt. Sie haben Einsprache erhoben und fordern den Grossen Rat des Kantons Bern auf, die Konzession für das Kraftwerk Trift nicht zu erteilen. Es sei sinnlos, in einem Land, in dem bereits über neunzig Prozent der Wasserkraft genutzt werde, auch noch die letzten landschaftlichen Perlen der Stromproduktion zu opfern, begründen die beiden Umweltorganisationen ihre Opposition.

„Insbesondere im Bereich der Photovoltaik besitzt die Schweiz enormes Ausbaupotenzial“.

Grimelverein, Aqua Viva

Im stark verbauten und genutzten Haslital müsse die Trift als eines der letzten naturbelassenen Gebiete unbedingt erhalten werden. Der Umstieg auf eine umweltschonende Stromproduktion dürfe nicht auf Kosten der Umwelt gehen, erklärt Hans Anderegg, der den Grimselverein präsidiert. Die Energiewende sei dringend notwendig und die Schweiz müsse aus den fossilen Energien und der Atomenergie aussteigen. Es sei aber unsinnig, deshalb alle Bedenken wegzuwischen und den Landschafts- und Biotopschutz zu opfern. Ihren Energiebedarf könne die Schweiz auch decken, ohne neue Stauseen wie die Trift. Es gebe genügend Alternativen, erneuerbare Energie umweltfreundlich und günstig zu erzeugen. Insbesondere im Bereich der Photovoltaik besitze die Schweiz enormes Ausbaupotenzial.

Für Anderegg hat der Kampf gegen den Triftstausee grundsätzlichen Charakter. Wer jetzt ja sage zur Zerstörung der Trift, müsse später auch ja sagen zu weiteren Kraftwerksprojekten, die die Stromindustrie dann unweigerlich aus der Schublade ziehen werde. Deshalb will er innerhalb der Umweltbewegung eine Diskussion darüber anstossen, wie sich die Energiewende und der Klimaschutz bewerkstelligen lassen, ohne wertvolle Naturlandschaften zu opfern. Anderegg sagt: „Wir müssen in der Bevölkerung ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die Zerstörung der letzten unberührten Gebirgstäler keinen wirksamen Beitrag für unsere Energiezukunft darstellt.“