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Manifest „Rettet die Trift“

Das Triftkomitee fordert den Grossen Rat des Kantons Bern auf, die Konzession für das Kraftwerk Trift nicht zu erteilen. Dies mit folgender Begründung: Die Trift ist eine grossartige, praktisch unberührte Gebirgslandschaft im Berner Oberland. Sie umfasst wild schäumende Bachläufe, Schluchten, Alpwiesen, schroffe Felsen, Wald, einen natürlichen See und ein frisches, dynamisches Gletschervorfeld. Sie ist den unmittelbar angrenzenden BLN-Gebieten „Berner Hochalpen“ und „Rhonegletscher“ ebenbürtig und muss ebenfalls ungeschmälert erhalten bleiben. Nun planen die Kraftwerke Oberhasli in der unberührten Trift den Bau eines grossen Stausees. Erstmals seit dreissig Jahren würde damit in der Schweiz wieder ein Gebirgstal unter Wasser gesetzt. Mit den nachfolgenden Argumenten wehrt sich das Trift-Komitee gegen die Konzessionserteilung durch den Grossen Rat des Kantons Bern für ein Kraftwerk in der Trift.

1. Die Trift ist keine Einöde

Die Trift ist eine grossartige, praktisch unberührte und einmalige Gebirgs- und Gewässerland­schaft, ein rares und zunehmend kostbares Gut. Sie umfasst wild schäumende Bachläufe, Schluchten, artenreiche Alpwiesen, schroffe Felsen, Wald, einen natürlichen See und ein frisches, dynamisches Gletschervorfeld. Sie ist den unmittelbar angrenzenden BLN-Gebieten ebenbürtig und bildet mit ihnen zusammen eine ungeschmä­lert zu erhaltende Hochgebirgslandschaft. Das Amt für Wasser und Abfall des Kantons Bern beurteilt in einem Fachbericht das Triftwasser als von „hohem Naturwert“. Selbst der Umwelt­verträglichkeitsbericht des Trift-Projekts bezeichnet das betroffene Gebiet in vielerlei Hinsicht als einzigartig, schützens- und erhaltenswert.

2. Energiewende und Klimaschutz bedeuten nicht Opferung des Natur- und Landschaftsschutzes

Die Energiewende ist notwendig, weil die Schweiz aus den fossilen Energien und aus der Atomenergie aussteigen will. Für die Deckung unseres zukünftigen Energiebedarfs brauchen wir aber keine neuen Stauseen, auch in der Trift nicht. Es gibt genügend alternative Möglichkeiten für eine kostengünstige, umwelt- und klimafreundliche Energieproduktion und -verwendung. Der sinnlosen Energieverschwendung muss ein Riegel geschoben, Stromfresser wie Elektroheizungen müssen verboten werden. Das Sparpotenzial ist mit einer intelligenten Steuerung des Konsums sehr gross. Im Bereich der Photovoltaik hat die Schweiz ein enormes Aus­baupotenzial.

3. Wasserkraft ist in der Schweiz zu sehr grossen Teilen genutzt

Über 90 Prozent des Wasserkraftpotentials in der Schweiz wird bereits genutzt. Davon betrof­fen sind insbesondere wertvolle Gebirgslandschaften, welche unwiderruflich zerstört worden sind. Die wenigen verbliebenen Bäche und Flüsse, unberührten Täler und Gletschergebiete müssen erhalten bleiben. Der Beitrag des Trift-Projekts an die gesamte Stromproduktion in der Schweiz ist mit 0,25 Prozent unerheblich. Mit Photovoltaik kann diese Energiemenge auf Dachflächen im Siedlungsgebiet und entlang von Autobahnen erzeugt werden.

4. Für die Winterenergie ist das Trift-Projekt nicht notwendig

Mit einigen zusätzlichen Speicherseen können wir das Problem der fehlenden Winterenegie nicht lösen. Allein für die Kompensation des AKW-Ausstiegs würden mehrere Dutzend Stauseen von der Grösse der Trift benötigt. Für den angestrebten Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle noch viel mehr. Es ist somit grundsätzlich hinterfragen, ob die weitgehende Ausschöpfung des hydroelektrischen Potenzials heute noch zeitgemäss ist. Liegt die Zukunft nicht vielmehr in der Optimierung der bestehenden Wasserkraftwerke, in der PV und in neuen Speichertechnologien? Diese liegen bereits heute marktreif vor, weitere werden von der Forschung entwickelt (z.B. Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen mit  Biogas, dezentrale Solarstromspeicher, Gas als Speicher für Solarenergie / Power to Gas, intelligente Steuerung von Stromerzeugung und –verbrauch / Smart Grid). Auch die Einrichtung einer Speicherreserve als Energienotvorrat stärkt die Versorgungssicherheit im Winter.

5. Das Trift-Projekt verdreht die Prioritäten

Es kann nicht sein, dass eine unberührte Berglandschaft zerstört wird, obwohl es sinnvolle um­weltverträgliche Alternativen der Energieerzeugung und Energiespeicherung gibt. Im Sinne der Energiestrategie müssen zuerst die zukunftsgerichteten Effizienz- und Sparmassnahmen umgesetzt und alle weniger landschaftsbe­lastenden Produktionsmöglichkeiten ausgeschöpft werden. Zu diesen Möglichkeiten gehört das Trift-Projekt definitiv nicht.

6. Das Trift-Projekt ist ökonomisch unsinnig

Photovoltaik wird immer günstiger. Mit dem Investitionsvolumen des Trift-Projekts lässt sich mittels neuer Photovoltaik-Anlagen doppelt so viel Strom erzeugen. Diese sollten in erster Linie auf Dach­flächen und Fassaden von Wohn- und Gewerbebauten, entlang von Autobahnen und Bahnli­nien erstellt werden. Die Energiepolitik und der Strommarkt müssen grundsätzlich reformiert werden, damit sich die kostengünstige Photovoltaik endlich durchsetzen kann.

Fazit: Wir haben keinen Energie- sondern einen Landschaftsnotstand.